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07.2015

12/2013: Die Branche, die nicht lernen will: die Fleischindustrie.

Fleisch ist derzeit nicht besonders sexy, finde ich. Schon wieder. Und das sage ich als jemand, der wirklich gerne mal ein Hühnercurry oder ein Steak genießt. Schuld am miesen Image sind nicht etwa bösartige Journalisten, wie Lobbyisten immer wieder mutmaßen. Nein, für mich ist es die Fleischindustrie selbst, die kräftig daran arbeitet, ihren Ruf jetzt völlig zu zerstören.

Antibiotika in ungesunden Mengen


Ein Huhn in Massenzucht hat eine geringe Lebenserwartung. Rund 40 Tage lebt es, bevor es geschlachtet wird. Dass es nie die Sonne sehen wird, nicht artgerecht zwischen Zehntausenden anderen Hühnern lebt und so stark gemästet wird, dass es die eigenen Beine nicht mehr tragen können, war mir bekannt. Neu war für mich hingegen, dass solch ein Huhn in seinem sehr kurzen Leben enorme Mengen Antibiotika verabreicht bekommt, obwohl es nicht krank ist (DIE WELT, 13.11.2013). Mehr als 1.600 Tonnen Antibiotika haben die großen Mastbetriebe ihren Tieren im letzten Jahr verabreicht. Mir vergeht da der Appetit. Es gibt schließlich einen guten Grund, warum Ärzte beim Menschen zurückhaltend Antibiotika verschreiben. Denn: Wo massenhaft Antibiotikum eingesetzt wird, entwickeln sich resistente Erreger. Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr an derartigen Keimen.

Und täglich grüßt das Gammelfleisch

Zugleich macht das Wort „Gammelfleisch“ wieder die Runde, nachdem ehemalige Facharbeiter Erschütterndes im ARD „Morgenmagazin“ schilderten: Grünes Fleisch sei zu Wurst und anderen Produkten verarbeitet worden. Man habe die Chefs darauf hingewiesen, passiert sei nichts. Einzelfälle? Das bezweifle ich. Der Preisdruck in der Branche ist mittlerweile so erdrückend, dass nicht nur die Tiere leiden, sondern auch die Menschen. Für nicht mal fünf Euro die Stunde arbeiten Osteuropäer in deutschen Fleischverarbeitungsbetrieben und leben zu Wuchermieten eingepfercht in Wohnblöcken (FAZ, 27.10.2013). Mir drängt sich da die Frage auf: Wie soll angesichts solcher Verhältnisse angemessen für eine gute Fleischqualität, geschweige denn für das Tier-Wohl gesorgt werden?  

Der Verbraucher hat es in der Hand

Was können wir tun? Ich esse generell weniger Fleisch, zum Vegetarier hat es für mich noch nicht gereicht. Und wenn ich Lust auf ein gutes Steak bekomme, dann gehe ich zum Bio-Metzger bei mir um die Ecke. Der bezieht sein Fleisch von Bauern aus der Region – von Kühen, die ich vermutlich beim Joggen schon mal gegrüßt habe, als sie auf der Weide standen und die Sonne genossen. 

Ja, liebe Fleischindustrie: Ich möchte wissen, woher mein Fleisch kommt. Ich habe ein Recht darauf zu wissen, dass weder Mensch noch Tier unnötig gelitten haben, nur um mir den Gaumen zu kitzeln. Ich kann all diejenigen verstehen, die sich als Vegetarier völlig fleischlos ernähren. Glaubt man aktuellen Studien, leben inzwischen mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland, die auf Fleisch verzichten. Auch Veganer sind im Kommen, das merke ich besonders in meinem persönlichen Umfeld. Sie machen es „richtiger“ – schließlich geht es Millionen Milchkühen und Legehennen nicht viel besser als ihren Artgenossen, die auf dem Teller landen. Zum Glück bietet uns die Natur jede Menge leckere Alternativen, bei denen tatsächlich kein Tier gelitten hat. Wer jetzt schon so oft es geht auf Fleisch verzichtet und damit liebäugelt, den nächsten Schritt zu gehen, für den lohnt sich ein Blick in eines der zahlreichen veganen und vegetarischen Kochbücher, die derzeit die Bestseller-Listen bevölkern.

Udo Sanne

Geschäftsführer der s.Bar 


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