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07.2015

10/2013: Tabuthema Burnout: Warum die Wirtschaft sich was vormacht

Kommentar zum Artikel „Wenn die Seele nicht mehr kann“, erschienen im personalmagazin 09/13

Für mich wenig überraschend: Burnout ist in weiten Teilen der Arbeitswelt noch immer ein Tabuthema. Das berichtet das personalmagazin in seiner September-Ausgabe. Weniger als die Hälfte der 30 Dax-Unternehmen thematisieren demnach psychische Erkrankungen im Rahmen ihrer Unternehmenskommunikation. Nur acht der großen Dax-Unternehmen stufen das Thema Mitarbeitergesundheit überhaupt als „risikorelevant“ ein – für mich ein Armutszeugnis.  

Aus meiner Sicht ist es geradezu fahrlässig, den Einfluss dieser Krankheiten auf die Arbeitswelt zu ignorieren. So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Verlust durch Lohnfortzahlungen für psychisch kranke Mitarbeiter im Jahr 2011 auf mehr als fünf Milliarden Euro beziffert. Weitere unvorstellbare 16 Milliarden Euro gehen den Konzernen durch verminderte Produktivität flöten, heißt es da.  

Deshalb sage ich: Unternehmen müssen psychische Erkrankungen ernst nehmen – ganz egal ob Dax-Konzern oder Mittelständler. Denn: Es steht nicht nur der Unternehmenserfolg auf dem Spiel: Mittelfristig wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärfen. Junge Mitarbeiter werden mittelfristig zu Mangelware – viele spüren das heute schon! Umso wichtiger ist es, als Arbeitgeber Verantwortung zu übernehmen und die Belegschaften im Hier und Jetzt gesund zu halten.  

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Einzelmaßnahmen – wie etwa Broschüren, Richtlinien oder einmalige Seminare – nicht ausreichen. Sie sind nur kleine Puzzleteile, die nicht ineinandergreifen. Stattdessen muss eine umfassende, nachhaltige und spürbare Gesundheitskultur auf allen Geschäftsebenen das Ziel sein. Für mich geht es dabei um einen Feinschliff an der Unternehmensphilosophie: Erst wenn die Dax-Konzerne die Themen Gesundheit, Motivation und Zufriedenheit ihrer Belegschaften mehr als „risikorelevant“ einstufen, werden sie das große Ausbrennen ihrer Mitarbeiter verhindern. Dasselbe gilt natürlich für die Mittelständler, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sie haben aus meiner Sicht den größten Nachholbedarf – was mittlerweile sogar mehrere Studien belegen.    

Ihr Udo Sanne
Geschäftsführer der s.Bar


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