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07.2015

02/2014: Glückliche Junior-Banker? Die Wall Street wagt sich zögerlich an die Work-Life-Balance

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef rät Ihnen folgendes: „Ab jetzt nehmen Sie sich vier Tage im Monat frei, Wochenenden inklusive.“ Was sich für jeden durchschnittlichen Arbeitnehmer wie die Höchststrafe anhört – vier Sonntage frei im Monat (!) –, dürfte für die Nachwuchs-Banker an der Wall Street eine gute Nachricht sein. Für sie gehören 80-Stunden-Wochen zum Job; für sie ist es normal, selbst den Super Bowl wegen eines wichtigen Deals zu verpassen.

Tatsächlich möchte die Bank of America, eine der größten Banken der USA, die Arbeitszeiten ihrer jungen Angestellten verbessern (Handelsblatt, 14. Januar 2014). Dem Nachwuchs empfiehlt sie, sich vier Wochenendtage im Monat frei zu nehmen, solange kein wichtiges Geschäft ansteht. Ganze vier Tage frei im Monat – das schreit nach Work-Life-Balance. Oder nicht?

Es wird deutlich: Banken haben Imageproblem
Hintergrund ist der Tod eines deutschen Praktikanten: Der 21-Jährige, der im Sommer 2013 bei der Bank of America in London als Analyst arbeitete, war offenbar überarbeitet in seiner Dusche zusammengebrochen. Der Medien-Aufschrei war groß, die Banken kündigten an, handeln zu wollen.

Insgesamt kämpfen die großen Investmentbanken mit einem Imageproblem. Seit der Finanzkrise gilt Gier auch bei amerikanischen Elite-Absolventen als „uncool“. Immer mehr „graduates“ zieht es nach Silicon Valley. Dort nehmen sie niedrigere Einstiegsgehälter in Kauf, wenn der Job dafür Spaß macht – und es mehr als vier freie Tage im Monat gibt. Deutlich wird dies in einer Auflistung des Wall Street Journals.

Ein (sehr) kleiner Schritt in die richtige Richtung
Ich finde es toll, dass sich etwas regt bei den amerikanischen Banken, die ja als nicht besonders lernfähig gelten. Zugleich sind vier freie Tage im Monat viel zu wenig – die Finanzbranche versteht nicht, dass sie es mit der „Generation Y“ zu tun hat. Das zeigen die Zahlen eindrucksvoll.

Gehalt und fette Boni sind diesen „Millennials“ nicht mehr ganz so wichtig: Für sie zählen faire Arbeitszeiten, genügend Freizeit, eine wertschätzende Arbeitskultur, Flexibilität und ein gutes Arbeitgeber-Image.

Der „Generation Y“ ist Wohlbefinden und die eigene Gesundheit am allerwichtigsten – und das ist gut so, finde ich. Schade nur, dass diese Werte einfach (noch) nicht zur Wall Street passen.

Ihr Udo Sanne

Geschäftsführer der s.Bar


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